17.07.2020

Dürrejahre: Landkreis Bayreuth will Strategie zur Anpassung an die Klimakrise

"Klima-Ausschuss" befürwortet die Strategieentwicklung

Die Folgen der Klimakrise sind auch in Oberfranken nicht mehr zu übersehen: Ein Hitzerekord folgt dem anderen, Niederschläge fallen zur falschen Jahreszeit, sturzbachähnliche Starkregen nehmen zu. Die Durchschnittstemperatur steigt in der Region Bayreuth von Jahr zu Jahr an, innerhalb von hundert Jahren um vier Grad Celsius. Einen vergleichbarer Anstieg hat es zwar bereits schon einmal gegeben, allerdings in einem Zeitraum von über zehntausend Jahren. Die menschgemachte Erderwärmung verläuft also 100 mal schneller.

Vier Grad unterscheiden Eiszeit von Warmzeit

Wer glaubt, dieser Temperaturanstieg sei wenig besorgniserregend, irrt gewaltig. Zum Vergleich: In der letzten Eiszeit war die Temperatur im Schnitt nur vier Grad geringer als heute. Dies genügte, um die Alpen unter einer kilometerhohen Eisdecke zu begraben. Nur die höchsten Alpengipfel ragten daraus empor - ein Bild wie man es heute vielleicht in der Antarktis vorfindet.  

Was bedeuten vier Grad plus?

Ähnlich gravierend würde sich unsere Welt in einer um vier Grad wärmeren Welt verändern. Die Polkappen würden abschmelzen, der Meeresspiegel ansteigen und viele dichtbevölkerte Küstenregionen würden überflutet. Der Permafrostboden würde auftauen, Ölpipelines und Siedlungen dann im Morast versinken. Wüsten würden sich ausbreiten, Hurricanes häufiger und heftiger auftreten. Vormals fruchtbare Regionen würden veröden. Die dort lebenden Menschen müssten wegziehen, was global eine enorme Völkerwanderung in Gang setzte.

Zeit für Gegenmaßnahmen

Noch ist Zeit, dieses Schreckensszenario abzuwenden. Privatpersonen, Unternehmer, Regierungen und Kommunen können viel tun, um Treibhausgasemissionen zu vermindern. Der Landkreis Bayreuth hat beschlossen, seine Klimaschutz-Handlungsspielräume maximal zu nutzen. Ein Klima- und Nachhaltigkeits-Check aller Planungen und Maßnahmen wird gerade ausgearbeitet. Das Klimaschutzmanagement des Landkreises setzt ein Maßnahmenpaket um, das die Emissionen im Gebäudesektor, im Verkehr und beim privaten Konsum verringern und den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreibt.

Zusätzlich zu den Anstrengungen zur Verringerung von klimaschädlichen Treibhausgasemissionen müssen wir uns frühzeitig auf Folgen der Klimakrise einstellen. Denn Vorsorge kann Schlimmeres verhindern.

Grafik: Mögliche Auswirkungen der Klimakrise auf die Landwirtschaft

Landkreis will Strategie zur Anpassung an die Folgen der Klimakrise

Dies ist auch die Ansicht des Ausschusses für Klima, Umwelt und Landwirtschaft des Kreistages. Einstimmig folgte der Ausschuss am 14. Juli 2020 einem Vorschlag der Landkreisverwaltung von Landrat Florian Wiedemann, eine Strategie zur Anpassung an die Folgen der Klimakrise zu entwickeln. Die Leitung soll dabei ein kompetentes Fachbüro übernehmen. Wichtig ist dem Landkreis, dass die Strategie wissenschaftlich fundiert ist, dass alle betroffenen Akteure dabei aktiv eingebunden werden und dass die Strategie in Vorschlägen für Pilotprojekte mit Vorbildcharakter mündet. Besonderen Handlungsbedarf sieht der Landkreis bei den Themen Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasserversorgung und Tourismus.

Nun muss noch der Kreisausschuss zustimmen, der darüber am 7. September entscheiden wird. Die Kosten der Strategieentwicklung sollen zu 90 Prozent aus Bayerischen Fördermitteln gedeckt werden.

Grafik: Die Klimakrise betrifft viele Bereiche

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